Welchen Vorteil verschafft mir mein Perfektionismus?
Er verschafft mir die Illusion von Sicherheit.
Welchen Vorteil verschafft mir mein Perfektionismus?
Er verschafft mir die Illusion von Sicherheit.
Wie zeigt sich Perfektionismus in meinem Alltag?
Er zeigt sich durch eine starke innere Anspannung, ein verkrampftes Herz, in dem die Angst wohnt, etwas falsch zu machen. Angst vor Repressalien, so ich denn etwas falsch mache.
Ich habe das Gefühl, dass er sich nur mir zeigt - innerlich.
Was war meine erste Begegnung mit Perfektionismus?
Die Geburtsstunde meines treuen Begleiters liegt, wie sollte es anders sein, in meiner Kindheit.
Als die Tore zu meinem Unterbewusstsein noch weeeeeiit, weit geöffnet waren, wanderten die Gedanken-Gesellen meiner Eltern (vor allem meiner Mutter) in mein inneres Königreich und schlugen die 5 Thesen an mein Heiligtum:
1. Was angefangen wird, wird auch beendet.
2. Wer schreit, hat Unrecht. (Mama hat immer geschrien, aber hatte seltsamer Weise auch immer Recht)
3. Du bist schuld. (Details sind hier egal)
4. Du wirst gemocht, wenn du Gutes (Bestes) leistest.(gute Schulnoten, eine Hauptrolle im Schultheater,...)
5. Du wirst bestraft, nicht gemocht und abgelehnt, wenn du Fehler machst oder eben nicht Gutes (Bestes) leistest.
Mit allem religiösen Eifer trachtete ich nach Erfüllung der fünf Thesen, kam eine Exkommunikation aus dieser Glaubensgemeinschaft doch dem Tode gleich.
Haaaaalloooooo! Ist da noch jemand? Ich rufe in die Tiefen des weltweiten Netzes und horche auf Resonanz...
Wie geht es allen? Wie habt ihr die letzten zwölf Jahre verbracht?
Ich muss gestehen, dass meine Einführung in das Leben einer Erwachsenen etwas holprig war. Und das ist eine extrem starke Untertreibung. Erst brach das Kartenhaus meines Selbstwerts zusammen, dann streifte ich seelisch obdachlos jahrelang durch mein Inneres auf der Suche nach "mir selbst" und nun erkenne ich ein mir eigenes Gerüst, das mir oder meiner Gesundheit gar nicht dienlich ist.
Kryptisch...I know.
Der Titel des Posts verweist nicht nur auf mein Gefühl, ein einsames, ungesehenes Sandkörnchen in der schieren Endlosigkeit des Internets zu sein, sondern auch darauf, dass ich eine Gefangene bin.
Jawohl, denn ich bin eine Geisel meines Perfektionismus. Puh. Und ich kann sagen, dass das gar nicht schockt.
Nun kam mir die Idee, einfach mal darüber zu schreiben. So "einfach" ist das aber gar nicht, denn der gute Perfektionismus ist der Endgegner der Kreativität. Er erstickt Träume im Keim oder erdrosselt die zarten Knospen der Tatkraft im Schlaf.
Ich sehe mich daher als Heldin, die in den Kampf zieht. Dabei habe ich seltsamer Weise das Bild von westdeutschen Karnevalisten im Kopf, die "wider den tierischen Ernst" rufen. Das ist meine Crew habe ich erkannt. Ich bin König Theoden, der seine Mannschaft vor der Schlacht auf dem Pelennor einschwört. Die Narren ziehen also in den Krieg gegen den tierischen Ernst.
Episch, das gefällt mir. Der Schlachtplan sieht vorerst so aus: Ich suche mir Schreibimpulse zum Thema "Perfektionismus" und lade meinen inneren Narren dazu ein, sich dazu auszulassen. Für dieses Unterfangen wird ihm Narrenfreiheit zugesichert.
Soweit der Plan. Ich denke, der Sieg ist uns gewiss. Es sei denn, irgendein schmieriger Nazgul schmeißt mich samt meinem Pferd um und zertrümmert meinen Körper...aber dann wechsle ich einfach die Rolle und werde zu Eowyn, ha!
ALZO. Der erste Schreibimpuls lautet: Was bedeutet Perfektionismus für mich?
Was bedeutet er für mich? Schöne Scheiße bedeutet er. Selbstgeißelung. Selbstzerfleischung. Ein schweres Gewicht auf mir. Zerdrücktes Herz. Anspannung. Stress. Isolation. Ein dunkler Herr, der mir sagt, dass ich nicht gut genug bin. Endlose Anstrengung ohne Ankommen.
ERSCHÖPFUNG.